Bücher und Rezensionen

Bücher und Rezensionen

Tadzio Müllers Arbeit konzentrierte ich bisher eher auf den praktischen Aktivismus als aufs Bücherschreiben, seit seiner Konversion zum "Kollapsaktivisten" nutzt er zunehmend auch Bücher als politische Instrumente.


"Gemeinsam gegen die Angst - solidarische Kollapspolitik", 2026: Der globale sozialökologische Kollaps stellt die wahre Zeitenwende dar, markiert das Ende der kapitalistischen Moderne mit ihrem wahnhaften Irrglauben an ein ewiges Höher, Weiter, Mehr. Diese zentrale Tatsache der Gegenwart sucht die sich faschisierenden Verdrängungsgesellschaften des globalen Nordens wie ein Gespenst heim, das allen Angst macht, aber von (fast) niemandem anerkannt wird.
Kollaps und Katastrophe sind aber nicht das Ende aller Dinge, sie sind Räume, in denen Solidarität ge- und erlebt werden kann, sie sind Orte strategischer Handlungsfähigkeit linker Politik. Erzählt von einem Organizer der neuen Bewegung ist dieses Buch ein Manifest humanistischer Hoffnung in einer kollabierenden Welt. Tadzio Müller bringt ermutigende Beispiele solidarischer Kollapspolitik – und er erzählt eine Geschichte von Handlungsfähigkeit, von einer neuen sozialen Bewegung.


"Zwischen Friedlicher Sabotage und Kollaps: Wie ich lernte, die Zukunft wieder zu lieben", 2024: Inmitten von Klimakatastophe, Rechtsruck und Hoffnungslosigkeit erzählt der bekannte Klimaaktivist Tadzio Müller in fünf Kapiteln die Geschichte (s)eines Weges von einer Klimadepression, durch die Akzeptanz der Unausweichlichkeit des Klimakollapses: Zurück zur Bewegung und der dort wiedergefundenen Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft, trotz Kollaps und Faschisierung!
In der Klimakatastrophe, die nicht zu mehr Rationalität führt, sondern zu mehr Verdrängung (I) müssen Klimaschutz und Klimabewegung scheitern, egal, ob großer Klimastreik oder friedliche Sabotage (II), konfrontiert mit ihrem Scheitern verroht die gesellschaftliche Mitte immer mehr, wird zur schamfreien Arschlochgesellschaft (III). In dieser Situation gibt es für die Klimabewegung nur den Weg zur Erneuerung als solidarische Kollapsbewegung (IV). Dafür bedarf es der Trauerarbeit, ohne die wir unbequeme Fakten nicht anerkennen können. Im letzten Kapitel will Tadzio Müller nicht nur intellektuelle Arbeit anstoßen, sondern qua emotionaler Aufladung Resonanzen erzeugen.